Öffentlicher AbendvortragTransnationale Akteure als Motoren einer Wissensgeschichte des NationalsozialismusProf. Dr. Annette Weinke, Jena
24. September 2026
24. September 2026, um 18:30 Uhr, Universität Hamburg, Westflügel, ESA 121
Seit Jahrzehnten zählt die NS-Forschung zu den zentralen Feldern der Geschichtswissenschaft. Gleichwohl konstatieren Fachleute inzwischen eine gewisse Ermüdung: Das Detailwissen wächst weiter, der interpretatorische Zugewinn bleibt jedoch begrenzt. Ausgangspunkt dieses Workshops ist der Appell, das etablierte Design der NS-Forschung kritisch zu befragen – und damit ihre eigene Geschichte als Teil der Problemstellung zu begreifen. Die ersten Deutungen nach 1945 wurzeln in Erfahrungen der NS-Zeit, wurden später retrospektiv interpretiert und durch neues Wissen immer wieder neu gerahmt. Das gilt besonders für die akademische Zeitgeschichtsforschung, die sich – zunächst zögerlich – zur Aufgabe machte, dieses Wissen methodisch abzusichern. Bis heute betonen viele Forschende daher die „faktenbezogene Konkretheit kritisch-empirischer Quellenforschung und -konfrontation“, wie Martin Broszat, langjähriger Leiter des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), es einmal nannte. Doch was bedeutet diese Konkretheit genau, und wie wird sie hergestellt?
Eine wissensgeschichtliche Perspektive erscheint aufschlussreich, um dieser Frage nachzugehen. „Wissen“ meint hier nicht bloß gesicherte Fakten, sondern ein Geflecht kognitiver, emotionaler und medialer Elemente, das soziale Wirklichkeit formt. In Anlehnung an die Wissenssoziologie fragt eine solche Wissensgeschichte, durch welche Praktiken Wahrnehmungen, Deutungen und kommunikative Prozesse zu „Wissen“ werden – wie es also erzeugt, stabilisiert oder verdrängt wird. Für die NS-Forschung bedeutet das, auch die soziale, institutionelle und methodische Gebundenheit der Wissensproduktion selbst kritisch zu betrachten.
Der öffentliche Vortrag von Frau Prof. Dr. Anette Weinke findet im Rahmen des Workshops der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) und des Arbeitsbereiches Deutsche Geschichte am Fachbereich Geschichte (Universität Hamburg) mit dem Titel „Faktenbezogene Konkretheit…“? Wissensgeschichtliche Perspektiven auf die NS-Forschung statt. Interessierte können sich nach vorheriger, verbindlicher Anmeldung bis zum 20. September unter geschaeftszimmer"AT"zeitgeschichte-hamburg.de registrieren lassen.
Für den öffentlichen Vortrag ist keine Anmeldung nötig.
