NachrufIn stiller Trauer nehmen wir Abschied von Prof. em. Dr. Joachim Molthagen
12. Februar 2026

Foto: David Tomaseti/Unsplash
Der Arbeitsbereich Alte Geschichte trauert um Prof. em. Dr. Joachim Molthagen (08.10.1941-08.02.2026), der von 1982 bis 2006 als Professor für Alte Geschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg wirkte.
Joachim Molthagen, Professor für Alte Geschichte an der Universität Hamburg, verstarb in Hamburg am 8. Februar 2026. Gebürtig aus Oldenburg (Oldenburg), studierte er (überwiegend) in Hamburg die Fächer Geschichte, Evangelische Theologie und Latein. Betreut von seinem akademischen Lehrer Hans Rudolph wurde er 1969 im Fach Alte Geschichte mit der Dissertation „Der römische Staat und die Christen im zweiten und dritten Jahrhundert“ promoviert (publiziert 1971); dieses Buch wurde zu einem Standardwerk und erlebte im Jahr 1975 eine zweite Auflage. Molthagen blieb an der Universität Hamburg, zunächst als wissenschaftlicher Angestellter, seit 1971 als wissenschaftlicher Oberrat und von 1982 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2005 als Professor für Alte Geschichte. Freimütig bekannte er, dass er das Handwerk, „wie man akademische Lehre sinnvoll gestalte“, vom Zweitgutachter seiner Dissertation, Peter Herrmann, gelernt habe, der ihn in seinen Veranstaltungen hospitieren ließ. Entsprechend legte er später besonderen Wert auf die Qualität seiner Lehrveranstaltungen und wusste die Studierenden für seine Themen zu begeistern. Einer seiner Schüler, Stefan Link, 1988 promoviert, ist jetzt Professor an der Universität Paderborn, gegen Ende seiner Dienstzeit konnte Molthagen sogar noch einen Seniorstudenten zu einer erfolgreichen Promotion in Alter Geschichte motivieren. Speziell für Lehrzwecke produzierte er zusammen mit Stefan Link 2001 eine kommentierte Photo-CD „Römisches Alltagsleben in Bildern“.
Im engeren althistorischen Themenbereich publizierte Molthagen in den 1970er Jahren drei Beiträge zu viel diskutierten und umstrittenen Fragen des Faches: einen Aufsatz über die Durchführung der gracchischen Agrarreform und zwei Aufsätze zum Ausbruch des Ersten Punischen Krieges - alle drei in renommierten Fachzeitschriften. Danach konzentrierten sich seine wissenschaftlichen Publikationen ganz auf Fragen zum frühen Christentum und dessen Verhältnis zum römischen Staat. Inspiriert dazu wurde er sicherlich durch sein Engagement in der freikirchlichen Gemeinde, das sich auch in einer gelebten christlichen Grundeinstellung manifestierte. Molthagen hat in diesem Themenfeld seine profunden Kenntnisse der neutestamentlichen Schriften in den Dienst der althistorischen Forschung gestellt und damit geradezu einen Perspektivwechsel vollzogen. Der Zugang zur neutestamentlichen Wissenschaft wurde ihm, wie er selbst bekannte, von dem wenige Jahre älteren baptistischen Theologen und Honorarprofessor an der Universität Hamburg Wiard Popkes (gest. 2007) geebnet, mit dem er zahlreiche gemeinsame Lehrveranstaltungen durchgeführt hat.
Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand blieb Molthagen der Universität und dem Arbeitsbereich Alte Geschichte verbunden: Über viele Jahre hielt er noch Vorlesungen für ältere Studierende ab und nahm an Gastvorträgen und gesellschaftlichen Veranstaltungen des Arbeitsbereiches teil. Sowohl seine wichtigsten wissenschaftlichen Beiträge als auch seine im Rahmen des freikirchlichen Engagements gehaltenen Vorträge sind in Sammelbänden wieder abgedruckt worden.

