Geschichte im Multiplayer-Modus
Wie Akteursgruppen von Industrie, Institutionen, Journalismus bis zu Spielenden die Geschichtsvorstellungen in digitalen Spielen kollaborativ (re)produzieren, konsumieren und fortentwickeln
Vorhaben
Zahlreiche Studios nutzen verschiedene Entwicklungsphasen, um mit ihren Communities an digitalen Spielvisionen zu feilen. Systematisch untersucht sind diese kollaborativen Produktionsformen wenig. Besonders aus dem Blickwinkel von „doing history“ bleibt offen, wie Communities und Entwickler:innen historische Vorstellungen aufnehmen, untereinander aushandeln und iterativ ausformen. Nolden wies in seiner zentralen Vorarbeit zu Erinnerungskulturellen Wissenssystemen (2020) nach, dass Communities von digitalen Spielen über komplexe Erinnerungskulturen verfügen. Beim untersuchten Fallbeispiel kommunizierten Spielende vielfältig und fundiert über Geschichte.
Das geplante Vorhaben „Geschichte als Multiplayer-Modus“ soll systematisch eine Vorgehensweise aufstellen, um diejenigen kollaborativen Prozesse zu identifizieren, mit denen die involvierten Akteur:innen Geschichtsvorstellungen in digitalen Spielen gestalten, und um sie an repräsentativen Beispielen zu analysieren. Dieser Rahmen wird vergleichend auf verschiedene digitale Spielformen, Produktionsbedingungen und die zugehörigen Communities ausgeweitet. Dadurch wird die systematische Vorgehensweise verfeinert, um die Kommunikation über historische Bezüge, die kollaborativen Arbeitsweisen und die Intentionen der Akteure zu dokumentieren.
Das Vorhaben soll zu einer Reife entwickelt werden, um einen Antrag auf Förderung zum Sommer 2027 stellen zu können.
Person
Dr. Nico Nolden ist Historiker für Public History und als Gastwissenschaftler am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg assoziiert. Seinen langjährigen Schwerpunkt mit historischen Inszenierungen und Communities in interaktiven digitalen Medien weist seine Doktorarbeit aus. Sie erschien 2020 unter dem Titel „Geschichte und Erinnerung in Computerspielen. Erinnerungskulturelle Wissenssysteme“.
Von 2014-2019 forschte und lehrte er in der Public History an der Universität Hamburg. Dort baute er ein GameLab für Historiker:innen und die Spielebibliothek Ludothek auf. 2019 wechselte er an die Public History der Leibniz Universität Hannover, wo er bis 2022 spielerische Erfahrungen in Virtueller Realität und Augmented Reality im Einsatz für Museen und Gedenkorte fokussierte. Als Gründungsmitglied des Arbeitskreises Geschichtswissenschaft und digitale Spiele (AKGWDS) engagierte er sich von 2015 bis 2021 an dessen Leitung.
Von 2022 bis 2025 entwickelte Nolden für das Sozialpädagogische Fortbildungszentrum (SPFZ) der Stadt Hamburg ein Qualifizierungsprogramm, das die digitalen Medienkompetenzen von sozialpädagogischen Fach- und Führungskräften in der Kinder- und Jugendarbeit fördert. Seine dortigen Erfahrungen veranlassen ihn nun, systematisch die Communities um digitale Spiele aus dem Blickwinkel von „doing history“ zu erschließen.